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HANSA Landhandel

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Rinderfachtagung 2014 am 30. Oktober ab 10:00 Uhr im Gasthof zur Linde in Brauel

 

Viel Neues rund ums Fruchtbarkeitsmanagement

Am 30. Oktober konnte Ulrich Pape in Zeven-Brauel über 200 Zuhörer bei der alljährlichen Rinderfachtagung des Hansa Landhandels begrüßen. Der Geschäftsführer von Alta Deutschland, Michael Wenzlau, informierte die Gäste über wichtige Kennzahlen und die Steuerung des Repromanagements auf Milchviehbetrieben. Denn die Firma Alta – 1.200 Mitarbeiter weltweit, 14 Millionen Sperma pro Jahr – bietet nicht nur Genetik, sondern auch fundierte Beratung, um die Kuh tragend zu bekommen. „Für uns ist nicht nur die Spermaportion wichtig, sondern auch die daraus entstehende Färse, die für Profit im Stall sorgen soll. Rechnet man alle Faktoren, die zu einer Trächtigkeit führen sollen, zusammen, besteht nach unseren Berechnungen nur eine Chance von 12 %, dass aus einer Spermaportion auch wirklich eine Färse entsteht. Das muss besser werden“, schildert Michael Wenzlau die Gründe für das Beratungsengagement.

Nicht tragende Kuh kostet 2 bis 5 Euro pro Tag

Die Abgangsursache Nummer 1 in 2012 war Unfruchtbarkeit. Das Management  hat den größten Einfluss auf die Fruchtbarkeit, dann erst Fütterung und Erblichkeit. „Der Wert einer Trächtigkeit ist mit bis zu 500 Euro hoch, denn am teuersten sind die trockenstehende Kuh und die Aufzucht. Die Kuh muss daher mehr genutzt werden, um mehr produktive Tage von ihr zu haben. Ganz wichtig: Eine nicht tragende Kuh kostet 2 bis 5 Euro pro Güsttag. Werden Kühe also nicht schnell tragend, summieren sich diese Leertage und Kosten beträchtlich auf. Die Zahlen spüren Sie nicht auf dem Konto, aber Sie merken es sofort, wenn das Geld zusätzlich im Betrieb bleibt“, ist sich Wenzlau sicher. Er empfiehlt, nach 50 Tagen freiwilliger Wartezeit unabhängig von der Milchleistung die Kuh erstmals nach der Geburt wieder zu besamen. Unter 42 Tagen mache dies keinen Sinn.

Oftmals Brunsterkennung unzureichend

„Eine gute Zahl, um zu prüfen, ob das Fruchtbarkeitsmanagement klappt, ist die Anzahl Kühe, die 80 bzw. 150 Tage nach der Abkalbung noch nicht wieder besamt bzw. noch nicht tragend sind. Diese Zahlen sollten sehr klein sein, in der Praxis sind es leider aber meistens noch sehr viele Kühe“, so Wenzlau. Die Gründe lägen allzu oft im unzureichenden Erkennen der Brunst. Die Brunstnutzungsrate liegt im Durchschnitt bei 50 %, die Konzeptionsrate nur bei 32 %, und beides zusammen ergibt die Trächtigkeitsrate, die selbst bei sehr guten Betrieben oft nur zwischen 20 bis 30 % liegt, im Schnitt jedoch nur bei 16 %. „Wichtig ist es in jedem Fall, egal wie gut oder schlecht, dass die Zahlen gemessen werden, um etwas verbessern zu können. Unbedingt ansetzen müssen wir bei der Brunsterkennung. Bei unseren hochleistenden Kühen ist das nicht mehr so einfach, denn sie bullen kürzer, weil ihr schneller Stoffwechsel das Östrogen rascher abbaut. Generell sieht man brünstige Kühe besser in den Ruhezeiten, denn beim Fressen oder Melken ist sowieso alles in Aufruhr. Brunstbeobachtung sollte keine Nebenbeschäftigung sein, am besten ist ein geschulter Mitarbeiter komplett dafür verantwortlich, achtet auf alle Brunsten und schreibt diese auf.“

Technik als Unterstützung

Wer mehr der Technik als dem eigenen Auge vertrauen will, für den gibt es eine Vielzahl von technischen Hilfsmitteln wie Heatime oder CowAlert zur Brunstbeobachtung. Diese helfen auch in Zeiten, wo niemand im Stall ist, müssen aber auch richtig genutzt und ausgewertet werden. Wenzlau empfiehlt als einfachste Lösung Schwanzkreide (tailpaint), die man während des Fütterns als Linie aufbringt und die später beim Aufsprung verschmiert und so die Brunst anzeigt.

„Ist die Brunst erkannt, muss auch der Umgang mit der Spermaportion stimmen“, weiß Wenzlau. „Es kommt auf die richtige Temperatur an, Schwankungen dürfen nicht sein, ideal ist ein Pistolenwärmer nach dem Auftauen der Portion für deren Transport zur Kuh.“ Hormonprogramme wie Ovsynch oder Presynch sieht Wenzlau eher kritisch. „Sie sind sicher gut als letzte Hilfe, wenn eine Kuh nach 80 Tagen immer noch nicht besamt ist, doch wir sollten bedenken, dass es sich um Hormone und damit Arzneimittel handelt, die wir der Kuh spritzen. Selbst in den USA reagiert der Verbraucher bereits kritisch auf solche Maßnahmen.“

Besser Zahlen als Gefühlen vertrauen

Dirk Böschen, Landwirt aus Grasberg, berichtete anschließend über das Herden- und Arbeitsmanagement auf seinem Milchviehbetrieb. Er betreut 1.000 Kühe mit eigener weiblicher Aufzucht und melkt derzeit mit einem 32er Melkkarussell über 10.700 l Milch je Kuh und Jahr bei 3,91 % Fett und 3,45 % Eiweiß. Der Familienbetrieb hat sich seit 1979 stetig weiterentwickelt, heute bewirtschaftet Böschen neben den Kühen noch eine Biogasanlage (ausschließlich Gülle) sowie 460 Hektar Land, davon 220 Hektar Roggen und Mais und 240 Hektar Grünland. 18 Arbeitskräfte gehören zum Betrieb, die nach einem strikt festgelegten Wochenplan arbeiten. „Sonst wären unsere Kennzahlen nicht untereinander vergleichbar, deshalb achten wir sehr auf die Einhaltung der Arbeitsroutine. Am Ende sprechen wir lieber über Zahlen als über Gefühle“, erklärt Böschen seine Philosophie.

Erfolg durch Planung

„Wir haben an jedem Tag einen Arbeitsschwerpunkt. Am jedem Montag kommt der Tierarzt für die Trächtigkeitsuntersuchung. Da wir eine Selektion im Stall haben, erledigt das DairyComp-Herdenmanagementprogramm die Einteilung der Kühe für die TU. Dienstag ist Futterkontrolle, da vergleichen wir die Futtermengen und die Trockenmasseaufnahme. Das Restfutter für jede Futtergruppe wird einzeln täglich in den Mischwagen zurückgewogen, so kann man jeden Tag sehen, aus wieviel Futter wieviel Milch geworden ist.“ Mittwochs ist Eutercheck: Kühe, die den 200.sten Trächtigkeitstag erreicht haben, werden mittels Schalmtest und Laktatpapier beprobt. Für alle Viertel, die auffällig sind, wird an dem Tag entschieden, was mit der Kuh passiert: Untersuchung, Antibiotika etc.? Donnerstags stehen Trockenstellen und das Sortieren der Transitkühe auf dem Plan, freitags dann Gruppenwechsel. „So haben wir Gruppenumstellungen nur einmal die Woche, das bringt Ruhe für die anderen Tage. Abgesehen von diesen strikten Arbeitsplänen ist uns die Betreuung der Frischabkalber sehr wichtig. Sie stehen bis 5 Tage auf Stroh und werden von uns intensiv beobachtet. Wir geben diesen Kühen sehr viel Service in den ersten 20 Tagen, damit sie später problemlos in der Laktation sind.“

Für die Brunsterkennung und Liegezeitenkontrolle schwört Böschen auf das CowAlert-System. Alle Kühe im Bestand sind damit ausgerüstet. „Milchviehbetriebe sollten das nutzen, ich glaube sogar, in fünf Jahren haben es alle Kühe in Niedersachsen. Die Technik ist bei der Brunsterkennung besser als der Mensch, weil sie 24 Stunden am Tag da ist.“ Alle Ställe haben Tiefboxen mit Stallmist, Kalk und liegefreundlichem Stroh. Die Laufgänge bestehen aus rutschfestem Asphalt und Beton. Gefüttert wird 70 % Mais TS und 30 % Gras TS morgens und abends mit dem I-Keenan-System. „Durch das I-Keenan-System mit Autostoppfunktion habe ich jeden Tag die gleiche physikalische Futtermischung, das bekamen wir vorher nicht so hin.“ 

Gute Aufzucht macht sich bezahlt

Die Aufzucht der Färsen ist in der Böschen-Rind-GmbH organisiert. Alle Kälber gehen in einen benachbarten Stall und erhalten ad libitum Milch für 3 Wochen im Sinne der metabolischen Programmierung. Danach trinken sie an der Nuckelbar bis 10 Wochen und ab 3 Monaten fressen sie die normale TMR. Danach durchlaufen die Rinder zur weiteren Aufzucht vier verschiedene gepachtete Ställe. „Das klappt sehr gut so, vor allem die gute Fütterung macht sich bezahlt. Manche Tiere kalben jetzt schon mit 21 Monaten ab, und es sind dann nicht 30 Liter- sondern 40 Liter-Färsen“, so Böschen. „Wenn für die Kuh alles gut gemacht ist, kann sie auch viel Milch geben. Derzeit entwickelt Dirk Böschen seinen Betrieb wieder weiter, allerdings nicht durch Wachstum, sondern durch interne Optimierung. „Über die Arbeit im Arbeitskreis haben wir herausbekommen, dass der Betrieb mehr Struktur braucht. Wir müssen den täglichen Anforderungen noch besser gewachsen sein, deshalb arbeiten wir nun mit dem HBDI Managementtool, welches 4 Farben nutzt. Bei jeder Fragestellung müssen immer alle 4 Farben durchdacht werden, das hilft ungemein, die unterschiedlichen Sichtweisen im Betrieb vereinen zu können. So wollen wir fit für die Zukunft werden und unser Ziel von 860.000 l Milch pro Arbeitskraft erreichen.“

www.altagenetics.de

www.boeschen-milch.de

Gruppenbild     Boeschen     Wenzlau

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